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Täuschung und Plagiat im Prüfungsrecht

Nicht selten sehen sich Prüflinge mit dem Vorwurf eines Täuschungsversuch konfrontiert – mit der Konsequenz, dass die betreffende Prüfungsleistung mit „5,0“ bzw. „nicht bestanden“ bewertet wird. Besonders ärgerlich ist dies, wenn es sich um den letzten Prüfungsversuch gehandelt hat. Abgesehen von den insoweit eindeutigen Fällen stellt sich aber häufig die Frage, ob der Vorgang selbst überhaupt einen Täuschungsversuch darstellen würde: Ist es beispielsweise als Täuschung einzuordnen, wenn Prüflinge einen nicht zugelassenen Taschenrechner bei der Prüfung verwenden, obwohl dieser nachweislich in allen Bereichen einen geringeren Funktionsumfang aufweist? Dürfte dann selbst ein simpler „Rechenschieber“ nicht mehr verwendet werden? In solchen und ähnlich gelagerten Fällen erscheint bereits objektiv die Eignung zur Ergebnisbeeinflussung ebenso fraglich wie das Vorliegen einer darauf bezogenen subjektiven Komponente. Ist darüber hinaus bereits das Auffinden von prüfungsrelevanten Unterlagen in dem geöffneten und sich in Reichweite befindlichen Rucksack ausreichend für die Annahme eines Täuschungsversuchs? Über diese „Klassiker“ hinaus wird zunehmend auch die Frage aufgeworfen, ob die Einnahme vermeintlich leistungsfördernder Substanzen (Z.B. Ritalin) einen Täuschungsversuch zu begründen vermag.

Doch nicht nur das: Tausende Dissertationen von Ärzten, Zahnärzten, Rechtsanwälten, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Betriebswirten stehen im Fokus der Hochschulen und werden von selbsternannten Plagiatsjägern hartnäckig auf etwaige Unstimmigkeiten untersucht.

Auch im hochschulrechtlichen Betrieb kommt es im Rahmen von studienbegleitenden Prüfungen oder Abschlüssen immer häufiger zu Plagiatsvorwürfen.

Aber wann ist ein Plagiat eigentlich ein Plagiat? Eine eindeutige Definition ist hier ebenso wenig möglich, wie sich eine pauschale Betrachtung verbietet. Ob ein Plagiat vorliegt, ist immer eine Frage des Einzelfalls, bei deren Beantwortung eine Vielzahl von Kriterien zu beachten ist.

Insoweit ist auch zu berücksichtigen, dass es wissenschaftlichen Arbeiten geradezu immanent ist, dass diese insoweit fehleranfällig sind und kein Prüfling unfehlbar ist. So ist in der Praxis ist die schwierige Grenzziehung zwischen einer Täuschung und einem unsauberen wissenschaftlichen Arbeiten vorzunehmen. Bedauerlicherweise sind viele Hochschulen durch die umfangreich medial dargestellten prominenten Fälle übersensibilisiert worden und nahmen selbst bei nur geringfügig unsauberem wissenschaftlichen Arbeiten (wörtliches Zitat wurde als solche mit An- und Ausführungsstrichen gekennzeichnet und die richtige Quelle angegeben, jedoch ein „s.“ für „siehe“ ein „vgl.“ für „vergleiche“ verwendet) ebenso ein Plagiat an wie in Fällen des sog. „Selbstplagiats“ undifferenziert eine entsprechende Täuschung unterstellt wurde.

Eine zunehmende Besonderheit besteht auch darin, dass viele Prüferinnen und Prüfer im Rahmen studienbegleitender Prüfungen bereits dann ein Plagiat annehmen, wenn ein Prüfling vor dem Hintergrund einer zuvor erfolgten Themeneingrenzung in größerem Umfang schlichtweg auswendig gelerntes Wissen (häufig wurde hierfür zuvor eine Art „essay“ erstellt) zu Papier bringt und keine Quellenangaben vornimmt. Dieser Annahme haben die ersten verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen hingegen eine klare Absage erteilt.

Insbesondere medizinische Dissertationen erweisen sich insoweit als risikobehaftet, da nicht selten auf vorhandene Untersuchungsergebnisse zurückgegriffen wird, die ihrerseits zum Gegenstand neuer Versuche gemacht werden, Untersuchungsmethoden geändert oder ergänzt werden sowie schlichtweg einige Tatsachen als unter Medizinern als bekannt vorausgesetzt werden.

Hier ist es die anspruchsvolle Aufgabe des Rechtsanwalts, nicht auf etwaige Gemeinsamkeiten abzustellen, sondern Unterschiede zu beleuchten, diese abzuwägen und zu gewichten. Darüber hinaus gelten auch im Rahmen von Verfahren zur Aberkennung einer Prüfungsleistung oder Entziehung eines akademischen Grades allgemeine und besondere Verfahrensgrundsätze, welche beachtet werden müssen und deren Nichtbeachtung die den Prüfling oder Doktoranden belastende Entscheidung rechtswidrig machen kann. 

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